Vom Kinderzimmer auf die Straße: «Sponk» verdient Geld mit Graffiti

Por AIPS América

13 de junio de 2016

Von Tabea Grossek, dpa

Ob als alleinschaffender Sprayer, Graffiti-Schmuckdesignerin oder
Street Art Agentur - junge Menschen wollen mit Kunst im öffentlichen
Raum begeistern - und Geld verdienen. Immer mehr private und
städtische Auftraggeber zahlen für Kunstwerke aus der Spraydose.

Gelsenkirchen (dpa) - Mit schnellen, routinierten Bewegungen sprüht
Graffiti-Künstler Dan Geffert Form und Farbe auf die zuvor triste
Bunkerwand. Der 27-Jährige steht mit Atemmaske und Spraydosen auf
einem Hubsteiger. 20 Meter unter ihm: Ein Parkplatz. Vor ihm: Eine
Wand - beinahe so groß wie zwei Tennisplätze.

Seit zwölf Jahren greift Geffert unter dem Künstlernamen «Sponk» zur
Dose. Nicht bei Nacht und Nebel, sondern tagsüber und legal sprüht er
Graffiti an Wände, Wohnwagen und Garagentüren. Dafür wird er nicht
wegen Vandalismus bestraft, sondern bekommt Geld. Seine Auftraggeber
sind Privatleute oder die Stadt.

Was zunächst als Hobby anfing, ist für den Designstudenten heute
Beruf und Berufung zugleich. «Aufträge zu bekommen, war ein
schleichender Prozess», erinnert sich der 27-Jährige. «Es fing damit
an, dass ich mit 15 die Kinderzimmer meiner Kumpels besprüht habe.»
Heute arbeitet der Graffiti-Künstler im größeren Stil: Das
Nordseemotiv auf einem ehemaligen Rundbunker in Gelsenkirchen ist
sein bislang umfangreichstes Projekt mit einer Variation aus rund 150
Farben.

Geffert arbeitet mit Ebenen und Rastern, damit das Bild möglichst
realitätsgetreu wird. Für die Auftraggeber zählt vor allem die
auffällige Werbung, für den freischaffenden Designer ist es sein
Lebensunterhalt. Ein wenig Idealismus erlaubt sich «Sponk» trotzdem:
«In erster Linie geht's mir darum, Kunst im öffentlichen Raum zu
machen, die wertgeschätzt wird. Ein Graffiti gehört an einen Ort, der
dadurch eine Bereicherung ist.»

Kimo von Rekowski, Sprecher der Berliner Street Art Agentur
xi-Design, ist zuversichtlich, dass das Ansehen von legaler urbaner
Kunst unter illegalen Graffitis nicht leidet. «Die Öffentlichkeit
empfindet Street Art nicht mehr als Schmiererei, sondern als
außergewöhnliches Handwerk.»

Neben dem künstlerischen Geschick ist eine gute Organisation in dem
Geschäft überlebensnotwendig. Denn um ein wenig Bürokratie kommen
auch Graffiti-Künstler nicht herum: Genehmigungen müssen eingeholt,
Gerüste aufgebaut und grafische Entwürfe vorbereitet werden. Wenn
mehrere Aufträge gleichzeitig anstehen, greifen Kimo von Rekowski und
seine Kollegen auf freischaffende Sprayer zurück.

Damit ist die Berliner Agentur auch für große Werbekunden gewappnet.
Allein im letzten Jahr haben die Künstler 45 großen Wänden mit
durchschnittlich 300 Quadratmetern Fläche Leben eingehaucht. Ein
wachsender Markt: «Vor allem in Städten wie Hamburg, Berlin und
München mit hoher Bevölkerungsdichte steigt die Nachfrage nach Street
Art», sagt der Agentursprecher.

Auch das Ruhrgebiet entdeckt die urbane Gestaltung für sich. «In
Gelsenkirchen unterstützen wir Graffiti-Kunst nach Kräften - zum
Beispiel mit der Genehmigung von freien Flächen», sagt Claudia
Keuchel vom Kulturreferat. Zunehmend werden talentierte Sprayer an
Auftraggeber vermittelt und Graffiti-Kurse für Jugendliche angeboten.
«Sie sollen sich ausprobieren können, statt in die Illegalität zu
rutschen.» Am Ende profitierten von diesem Zusammenschluss sowohl die
Sprayer als auch die Kommune durch ein «jüngeres Stadtbild».

Bunte Farben auf Fassaden sprühen. Was von außen oft als Hobby
wahrgenommen wird, ist für «Sponk» weitaus kräftezehrender als Malen
nach Zahlen. «Das Sprayen geht mir jetzt schon stark an die Substanz.
Vor allem unter der Atemschutzmaske wird es im Sommer unerträglich
heiß», erzählt der Student. «Dazu kommt, dass ich als Selbstständiger
Werbung, Buchhaltung und Aufträge komplett alleine abdecken muss.»

Seine Bilder auf Beton sind der Witterung ausgesetzt und damit
naturgemäß vergängliche Kunstwerke. Doch dass selbst alte Graffiti zu
etwas gut sein können, zeigt Vera Aldejohann. Die Designerin aus
Wuppertal kennt die Szene, sprayt aber nicht selbst. Sie verwendet
stattdessen vielfarbige Graffiti-Bruchstücke, bearbeitet sie und
gießt sie in Kunststoffformen. Das Ergebnis: Schillernd-bunte
Halsketten-Anhänger. Einige hat sie bereits verkauft. Um ihre
Graffiti-Schmuckstücke aktiv zu bewerben, fehlt der 31-Jährigen die
Zeit: «Mit meinem Studium habe ich genug zu tun. Außerdem, nur davon
leben kann man auf keinem Fall.»

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